Archiv der Kategorie ‘Politik‘

Roter Winkel, hartes Leben

Samstag, den 31. März 2012

Da lag es. Auf dem Tisch im Arbeitszimmer. Meine Frau hatte es von einem Treffen beim Roten Kreuz mitgebracht. Das Buch “roter Winkel, hartes Leben” – in quadratischer Form und zweisprachig, sowohl deutsch als russisch geschrieben.

Ich nahm es zur Hand – und kam nicht wieder los. Till Mayer, Jahrgang 1972, Journalist und Fotograf hat es verfasst. Und die Fotos dazu gemacht. Das Thema? Er besuchte Überlebende von Konzentrationslagern in Lemberg, ihrer ukrainischen Heimat. 2007 sind diese Bilder und Geschichten aufgenommen wurden.

Vierzehn verschiedene Schicksale presst der Autor in kurze Skizzen ihres Lebens. Wie will man auch die Fülle von Emotionen, Erlebnissen, fatalen Erinnerungen und gespeicherten Ängsten in wenigen Zeilen beschreiben? Till Mayer ist es gelungen. Ich merke es daran, wie mich das Thema, die einzelnen Schicksale nicht loslassen, auch wenn ich das Buch schon zu Seite gelegt habe. (more…)

Hallo Fidel Castro!

Donnerstag, den 29. März 2012

Ein Gespräch über Gott und die Welt soll es gewesen sein – insofern passt das Thema natürlich auf meinen Blog:-)
 
Dass du dich gestern mit dem Papst getroffen hast, das ist eine kleine Revolution! Aber Revolutionen bist du ja gewöhnt…
 
Entschuldige bitte, wenn ich dich duze. Aber schliesslich begleitest du mich schon ein ganzes Leben. Ich bin mit dir aufgewachsen, dem “Bruder” in der Karibik. Der mit unseren Staatsführern dasselbe Ziel anstrebte, die sozialistische Revolution. Und ich kann mich noch gut an die Slogans meiner Kindheit erinnern, als es während und nach der Kubakrise 1962 hiess: “Hände weg von Kuba!”
 
Atheist trifft Papst
 
Du hast dich fast ein Leben lang als Atheist bezeichnet, obwohl du eine Jesuitenerziehung genossen hast. Die Kirche zu bekämpfen, den Atheismus in der Verfassung zu verankern – das sind schon klare Signale an Glaubende. Umso erstaunlicher war da jetzt deine Bitte, das Oberhaupt der katholischen Kirche, Papst Benedikt XVI. auf seiner Kubareise zu treffen.
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Gott begegnen? – Manchmal muss man auf einen Turm steigen…

Freitag, den 23. März 2012
Kennen Sie Habakuk?
Klingt so fremd, altertümlich.
Ach, ein Name ist das? Ich hätte mehr eine historische Ausgrabungsstätte im Irak oder Indien vermutet.
Der soll aus der Bibel kommen…
Soll nicht, der kommt von daher – ist einer der kleinen Propheten.
Ja – und? Muss man ihn kennen?
Muss nicht, aber interessant ist der Typ allemal.
Und man kann von ihm lernen.
Ach? Was denn?
Der hat damals schon gebloggt, seine Erlebnisse und Erfahrungen einem breiten Publikum zur Verfügung gestellt…
 
Habakuk 2 (LUT)
1 Hier stehe ich auf meiner Warte und stelle mich auf meinen Turm und schaue und sehe zu, was er mir sagen und antworten werde auf das, was ich ihm vorgehalten habe.
2 Der HERR aber antwortete mir und sprach: Schreib auf, was du geschaut hast, deutlich auf eine Tafel, dass es lesen könne, wer vorüberläuft!
3 Die Weissagung wird ja noch erfüllt werden zu ihrer Zeit und wird endlich frei an den Tag kommen und nicht trügen. Wenn sie sich auch hinzieht, so harre ihrer; sie wird gewiss kommen und nicht ausbleiben.
4 Siehe, wer halsstarrig ist, der wird keine Ruhe in seinem Herzen haben, der Gerechte aber wird durch seinen Glauben leben.
 
Erst fragen – dann türmen
 
Letztens las ich sie wieder, die ersten vier Verse in seinem zweiten “Blogbeitrag”. Und fand sie spannend! Habakuk hatte viele Fragen. Und ging damit an die richtige Adresse. Gott sollte ihm doch antworten, ihm erklären, wie sein politisches Umfeld gerade einzuordnen wäre.
Gott Fragen stellen – natürlich darf man das. Wer sollte denn sonst kompetente Antworten geben? Wie die Welt tickt. Wozu Leid zugelassen wird. Wohin und wofür ich mich entscheiden soll… (more…)

Hallo Herr Wulff!

Sonntag, den 11. März 2012

Es ist doch eigenartig, wie das Leben manchmal verläuft. Gestern noch intensives, vollgepacktes Programm – heute Klosterstille und Abgeschiedenheit.

Ich habe – wie wohl ganz viele interessierte Bürger – in den letzten Wochen verfolgt, wie sich die Causa Wulff entwickelte. Vom recht jungen Bundespräsidenten mit den vielen Präsentationsaufgaben zu dem Politiker, der manche Handlungen nicht wirklich einer breiten Öffentlichkeit erklären wollte. Oder konnte.

Medien

Erst mal “auffällig” geworden, stürzten sich die Medien, vielleicht sogar mit einem Schuss Genugtuung, auf den (vielleicht) Gestrauchelten. Irgendwie ist das eine perverse Tendenz der heutigen Zeit: Sündenböcke suchen und wenn gefunden – sie zu demontieren. Um der eigenen Fehlerhaftigkeit nicht ins Gesicht schauen zu müssen? Und dann wird gebohrt, gesucht, nachgefragt, angeklagt. (more…)

Wenn die Post Bibel verteilen muss

Donnerstag, den 8. März 2012

Diese Meldung fand ich interessant:

In Ramat Gan haben die Briefträger im Auftrag christlicher Missionen das Neue Testament verteilt. Zu jeder Haustür, zu jedem Briefkasten mussten sie, wie sich schnell herausstellte, das Neue Testament in hebräischer Sprache bringen.

Offensichtlich handelte es sich um einen Massenversand mit automatisch gedruckten Serienadressen. Die Briefträger wehrten sich dagegen und erhoben Einspruch, gegen ihren Willen christliche Mission zu betreiben.

Sie kontaktierten religiöse Knessetabgeordnete, die darauf bestanden, die Affäre rechtlich zu überprüfen. Aber als staatliche Institution ist die israelische Post zur Verteilung verpflichtet, und so wurden 24 Stunden später alle Neuen Testamente trotz Kritik ausgeteilt. (more…)

Passionmails

Dienstag, den 14. Februar 2012

Adventliche Mails mit geistlichem Inhalt sind hinreichend bekannt.

Dass es aber dazu auch adäquate Passionsmails gibt, wissen nur wenige.

Hao Hebbinghaus verschickt auch in diesem Jahr während der Passionszeit einen täglichen geistlichen Impuls in Form eines virtuellen Fastenkalenders.

In seinem Blog kann man sich dazu anmelden.

Mein Herz in Afrika

Dienstag, den 3. Januar 2012

So heisst der Titel des neusten Buches von Andreas Malessa.
Er stellte es anlässlich des “Kanderner Themenfrühstücks” den Zuhörern vor. Meine Frau wollte es gerne haben, aber ich brachte sie irgendwie davon ab. Um es dann doch – mit Widmung – zu erstehen…Das Buch würde über einen Massai handeln, den Malessa kennen gelernt hatte.

Wer das Buch von Corinne Hofmann – “Die weisse Massai” – kennt, hätte vielleicht eine ähnliche Thematik erwartet. Aber der Autor hat einen völlig anderen Erzählerstil. Witzig, genau beobachtend und beschreibend – und vor allem mit anderen Inhalten!

Ole Ronkei – für einen gescheiten Krieger- bzw. Viehhüterdienst zu klein und unsportlich – wird von seinem Onkel in einer Schule untergebracht, lernt schreiben und lesen. Und beisst sich durchs ungewohnte (“weisse”) Leben. Später nutzt er die Chance zu Aufentlhalten in England und den USA. Nach einigen Jahren findet man den Mann aus der kenianischen Steppe als Professor in den Staaten und Berater der Weltbank wieder. Wie viele Stolpersteine es auf diesem Weg gab, welche Kämpfe und Niederlagen er durchmachte – das muss man selber lesen! (more…)

Was Jesus alles nicht hatte…

Freitag, den 16. Dezember 2011

Ich liege in diesem kleinen Raum auf dem Wasserbett. Stichpunkt: Medy-Jet. Computergesteuert massieren bewegliche Wasserstrahlen den Körper von unten durch die weiche Auflage. Sichelförmig, kreisend oder punktuell. Kräftig zupackend oder sanft ausstreichend, den ganzen Körper oder einzelne Partien. Je nach Programmauswahl, je nach Gefühl und Gesundheit. Aber immer wunderschön. Und ganz einfach: kein Duschen, kein An- und Auskleiden. Dabei noch gedämpftes Licht, bläulich. Und sanfte Musik.

Ich spüre die Wasserstrahlen am Rücken. Es tut gut. Und entspannt. Und die Gedanken kreisen…

  • Mir tut das Medy-Jet gut. Aber Jesus hatte damals keine solchen Entspannungswasserbetten zur Verfügung. Und keinen wöchentlichen Termin beim Masseur. Er musste – irgendwie – selber mit der Spannung in seinem Leben und seinen körperlichen Anspannungen fertig werden.
  • Jesus hatte auch keinen Urlaubskatalog auf dem Couchtisch. Mit dieser unwahrscheinlichen Auswahl an Ferienorten weltweit. Pool am Haus, Sandstrände. Erlebnis- oder Abenteuerreisen. Jesus ist nie in Urlaub gefahren. Er kam während seines Lebens noch nicht mal aus seinem Heimatland heraus.
  • Jesus war auch nicht bei Facebook und irgendwie mit ganz Vielen “befreundet”. Er hatte kein iPad, iphone, Computer. Er hatte noch nicht mal W-lan. Und doch hatte er einen heissen Draht nach oben, von dem wir alle nur träumen können. (more…)

“Bin so gern auf Erden”

Samstag, den 22. Oktober 2011

Das erste Mal hörte ich von einem Freund von ihm. Er sei bei ihnen zur Einweihung ihres neuen Gemeindezentrums eingeladen worden. Und es sei Spitze gewesen, wie er Klavier gespielt und aus seinem Leben erzählt hätte.

Ein zweites Mal hörte ich von ihm, als ich mir seine neue CD bestellt hatte. Sowohl musikalisch als auch sängerisch ein Genuss.

Die Rede ist von Waldemar Grab, Jahrgang 1956 (fast gleichaltrig, das schafft schon Nähe:-)), von dem ich zuerst bekannte Lieder gut auf dem Piano variiert genoss – und mir dann sein Buch “Bin so gern auf Erden” bestellte. Nun habe ich es ausgelesen und bin begeistert von der Vielzahl der Ereignisse, die Herr Grab in seinem bisherigen Dasein erleben durfte.

Traumschiff

Waldemar Grab ist wohl am meisten durch seine Karriere als ZDF-Traumschiffpianist bekannt geworden. Dort war er viele Jahre im Einsatz, lernte exotische Ecken der Welt kennen, diverse interessante Passagiere und Besatzungsmitglieder, aber auch berühmte Berufskollegen. In seinem Buch schildert er Begegnungen mit Peter Alexander, Paul Kuhn, André Rieu und vielen anderen. Und das Leben auf so einem Luxusliner… (more…)

“Beten – das könnt ihr sein lassen!”

Montag, den 10. Oktober 2011

Kürzlich (unter der Dusche!) fiel sie mir wieder ein – diese Geschichte aus früherer Zeit. Ich dachte gerade darüber nach, wie oft Christen anderen Menschen, wenn diese in Not sind, versprechen, für sie zu beten. Das geht uns dann oft ganz leicht über die Lippen…

Aber zuerst die erwähnte Begebenheit.
Pedro kam zu unserer wöchentlichen Bibel- und Gebetsstunde und erzählte uns von seinem Freund: “Manuel ist aktiver Christ in meiner Heimat, in Brasilien. Er setzt sich schon jahrelang für die Gemeinde ein, übernimmt Verantwortung, kümmert sich um die Kinderarbeit, predigt, besucht Kranke. Jetzt hat er seine Arbeit als Ingenieur verloren. Und weiss nicht, wie er seine Familie – sie haben fünf Kinder – durchbringen soll, weil die Arbeitslosigkeit in seiner Heimatstadt sehr hoch ist.”

Ich kann mich noch gut an meine, an unsere Reaktion erinnern: “Das tut uns leid für Manuel – wir wollen für ihn beten!”

Petro reagierte daraufhin ganz anders, als wir ahnten. Er sagte: “Beten – das könnt ihr sein lassen!” Und meinte dann: “Helfen, das wäre jetzt angebracht.”

Zuerst waren wir, war ich ziemlich geschockt von dieser Antwort, von dieser Reaktion. Hallo! Wir sind Christen! Wir beten immer, wenn es Jemanden nicht gut geht, wenn wir von Problemen hören… Wieso sollte das nicht auch jetzt für diesen arbeitslosen Brasilianer gelten? Das haben wir doch immer so gehandhabt…! (more…)