Soll ich licht oder Licht werden?

Hmm, manchmal stolpert man dann doch über eine Formulierung in einem Satz. Kürzlich ist es mir passiert: Wir sitzen in einer Runde, ein ehemaliger Pfarrer versucht uns Männern, einen Vers aus Jesaja zu erklären. Weil er so gut in diese Vorweihnachtszeit passe, hätte er ihn gewählt, aus Jesaja 60 Vers 1:

“Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir! (Luther 1984)

Ja – was denn? Wird Licht (im ersten Teil des Verses) seit kurzem klein geschrieben? Muss ich wirklich “lichter”, heller werden? Und wie macht man das? Oder soll es wirklich “Licht” (gross geschrieben) heissen? Aber dann auch hier wieder die Frage: Wie genau könnte ich das bewerkstelligen? Umsetzen?

Das Beste ist, wir schauen uns mal die anderen Übersetzungen/Übertragungen an, wie sie diesen Vers übersetzen. Da wird es interessant – hier ein paar Beispiele:

“Steh auf, werde licht! Denn dein Licht ist gekommen, und die Herrlichkeit des HERRN ist über dir aufgegangen.” (Elberfelder Bibel)

Okay, die Elberfelder übersetzt es sehr ähnlich, dann scheint es ja zu stimmen. Aber es gibt ja noch mehr:

“Steh auf, Jerusalem, und leuchte! Denn das Licht ist gekommen, das deine Finsternis erleuchtet. Die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir wie die Sonne.” (Hoffnung für alle)

Das klingt schon dringender, scheint in dieselbe Richtung zu gehen, wie die beiden anderen. Nur hier hat man das Wort “leuchte” gewählt. Ich soll also leuchten. Noch immer die Frage in mir: wie genau das gehen soll…

“Mache dich auf, werde Licht! Denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir!” (Schlachter)

So – da haben wirs. Jetzt muss/soll ich selber zum Licht werden. Und wer hilft mir dabei? Die anderen Übersetzungen bringen auch nicht mehr Licht (oder licht) ins Dunkle.

Okay – dann eben wieder zurück zu dem oben erwähnten Pfarrer. Er meinte, das “licht” würde nicht leuchten oder hell werden meinen, sondern licht wie bei dem Wort: Waldlichtung. Oder wenn jemand weniger Haare hat, dann sagt man: Seine Haare haben sich gelichtet. Platz gemacht. Sind nicht mehr so dicht…

Aha, so kann man das auch sehen! Und so gewinnt dieser Vers für mich immer mehr an Bedeutung, und zwar in zweifacher Hinsicht:

1. Zuerst werde ich aufgefordert, aktiv zu werden, etwas zu tun: Aufzustehen, mich in Bewegung zu setzen, wegzukommen von meiner Ruhephase. Und zwar, um Platz zu schaffen (wir denken wieder an die Lichtung, die entstand, weil vielleicht Bäume im Wald entfernt wurden). Hindernde Gedanken wegzuschicken, Frust und Ärger loszulassen, eigene Ziele mal nicht mehr festhalten – eben, Platz zu machen.

2. Dann kann Gott aktiv werden. Als Licht kommen (“Gott ist Licht”; Jesus: “Ich bin das Licht der Welt…”), mich ummanteln mit seiner Herrlichkeit. Mein Horizont erweitern und neue Gedanken, neuen Trost, neue Kraft und Durchblick zu schenken…

So hatte ich es bisher noch nicht gesehen.

Und du? Wie denkst du über diese Jesaja-Aussage? Würde mich interessieren!

3 Reaktionen zu “Soll ich licht oder Licht werden?”

  1. Soll ich licht oder Licht werden? «

    […] Ja – was denn? Wird Licht (im ersten Teil des Verses) seit kurzem klein geschrieben? Muss ich wirklich “lichter”, heller werden? Und wie macht man das? Oder soll…>mehr. […]

  2. theolounge

    finde den Artikel sehr interessant, bin eben zufällig drüber gestolpert…habe ihn auf theolounge.de verlinkt…

  3. Elke Allaert

    Rutsch mal ein Stück beiseite mit deiner Funzel, damit das wahre Licht scheinen kann. Tausche menschlichen Hell-versuch gegen das gigantische Licht Gottes. Nicht unbedingt meine ultimative Auslegung, aber wäre eine Möglichkeit. Grmmpf

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